Horst Witterstein verstorben

Diese Nachricht macht betroffen und stimmt traurig. Horst Witterstein hat seinen letzten Kampf verloren. Er verstarb im Alter von 88 Jahren doch überraschend in seiner Heimatstadt nach kurzer Krankheit.

Geboren 1930 in Mainz kam er schon im jugendlichen Alter nach Kempten. Bereits als Jugendkämpfer machte er durch seine unglaubliche Schlagkraft auf sich aufmerksam. In seinen 207 Kämpfen konnte er sich gleich 93mal zum KO-Sieger krönen lassen. Insgesamt holte er sich während seiner Laufbahn 158 Siege ab. Bei 8 Einsätzen in der deutschen Länderauswahl schickte er zudem sechs europäische Spitzenboxer auf die Bretter.

In den 50er Jahren gehörte Horst Witterstein zur absoluten deutschen, ja auch zur europäischen Spitzenklassen. 1955 gelang ihm der große Wurf, als er sich den Titel bei den Deutschen Meisterschaften sicherte. Damit schaffte er die Nominierung für die Europameisterschaften im gleichen Jahr und kämpfte sich dort bis ins Finale vor, wo er dann etwas unglücklich dem Russen Algirdas Schozikas knapp nach Punkten unterlag.

Nach der Vize-Europameisterschaft hätte sich Horst Witterstein für die Olympischen Spiele 1956 qualifiziert, wären da nicht die `hohen Herren` gewesen, die seine Gewichtsklasse aus dem Programm nahmen, weil der damalige DABV nur in acht Klassen vertreten sein durfte.

Schwer enttäuscht ob dieser Ungerechtigkeit beendete er noch im gleichen Jahr seine Boxerlaufbahn, ohne den Bezug zu seinem Lieblingssport zu verlieren. Fortan widmete er sich den Boxern seines Vereins vom TV Kempten als Trainer und Sekundant und stand auch noch im hohen Alter von 75 Jahren in der Ringecke.

Es fällt leicht, Horst Witterstein in all seinen Facetten einzuordnen. Er war ein toller Mensch, Kamerad, Freund und lebte stets nach dem Motto: Leben und leben lassen. Mit seiner liebenswerten, immer freundlichen Art schaffter er sich nur echte Kumpels und er zeigte sich auch für Kritik, die seltenst angebracht war, empfänglich. Er war einfach von seinem Wesen her ein wunderbarer Mensch, überstrahlt von einer ruhigen, angenehmen Lebensweise und zudem Vorbild nicht nur für die Boxsportler. Er war einer, den man gern haben musste.

Seine Lebensphilosophie schöpfte er aus der Lehre des Wörishofer Pfarrer Sebastian Kneipp. Diese gab ihm die nötige Kraft und die ihm angeborene Schlitzohrigkeit. Als ihn vor Jahren ein Reporter darauf ansprach, warum er selbst bei größter Kälte nur in Sandalen und ohne Socken gehe, kam von ihm die Antwort mit einem breiten Lachen: `Socken? Habe ich keine`. Und genau diese Aussage gibt wider, warum Horst Witterstein sich bis zu seinem Tod höchster Anerkennung erfreuen durfte. Er war ehrlich zu sich, zu seinen Mitmenschen und mit einem trockenen Humor gesegnet.

Tschüss, lieber Horst. Wir alle, die dich gekannt haben, werden Dich immer vermissen und niemals vergessen. Seiner Gattin Inge mit Familie gebührt unsere aufrichtige Anteilnahme.

Der Bayerische Amateur-Box-Verband trauert um einen seiner ganz großen Sportkameraden.

Die Aussegnung findet am Donnerstag, den 19. Juli 2018 um 14.30 Uhr im Neuen Friedhof in Kempten statt.

G.W.



Foto: Familie Witterstein
Veröffentlichung zugestimmt

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